Skripttheorie Heute aus dem Blickwinkel von BeratungVeröffentlichter Artikel im Info der DGTA 1/2005 (copy right Uta Höhl-Spenceley) Ausgehend von der Zieldefinition transaktionsanalytischer Beratung nämlich die „Steigerung der Autonomie in Bezug auf das soziale, berufliche und kulturelle Umfeld der Klienten bzw. der Klienensysteme“, erscheint es sinnvoll die Skripttheorie unter dem Aspekt aktueller Sozialisationsforschung zu beleuchten, d.h. unter den Fokus des Einflusses von sozialen Systemen. Im folgendem gehe ich auf folgende Aspekte ein:
1. Definition von Skript Sozialisation wird als ein Prozess verstanden, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit ausbildet. Der Sozialisationsforscher Hurrelmann geht davon aus, das die Persönlichkeit das unverwechselbare Gefüge von Merkmalen, Eigenschaften, Einstellungen und Handlungskompetenzen bezeichnet, das sich auf Basis der biologischen Ausstattung als Ergebnis der Bewältigung von Lebensaufgaben eines Menschen ergibt. Menschen verändern als umweltbezogene und lernfähige Wesen bei gleichbleibender Grundstruktur der Merkmale, je nach Herausforderungen im Lebenslauf ihre Verarbeitungsstrategie und bilden ihre eigene Lebensgeschichte. Dieser Prozess entspricht aus meiner Sicht der Skriptentwicklung, der Bildung des „individuellen Lebensplan“, wie Berne das Skript definiert, wobei dieser Prozess teilweise bewusst, teilweise unbewusst oder vorbewusst erfolgt. Im Vordergrund steht das Modell des „produktiv die Realität verarbeitende Subjekt“, das von folgenden Thesen ausgeht:
Der Skriptbegriff von Fanita English, die Skript als etwas Positives ansieht, das der Orientierung und Wirklichkeitsreduzierung dient und damit Lebens- und Zukunftsperspektiven anbietet, entspricht der aktuellen Sozialisationsforschung, ebenso ihre Vorstellung von einer lebenslangen Weiterentwicklung. Auf Grundlage der aktuellen Sozialisationsforschung schlage ich vor die Definition von Skript wie folgt zu erweitern: „Skript ist der individuelle Lebensplan eines Menschen, den dieser in produktiver Auseinandersetzung mit seiner inneren und äußeren Realität und in Interaktion mit seiner sozialen Umwelt bildet und lebenslang weiterentwickelt“. 2. Einflussfaktoren der Skriptentwicklung Ausgehend von obiger Definition ist die Frage welche Faktoren der inneren und äußeren Realität die Skriptentwicklung beeinflussen und welcher Art die Verarbeitungsprozesse sind. In folgendem Diagramm (Abb.1) habe ich die Faktoren der inneren und äußeren Realität auf Basis der Erkenntnisse der Sozialisationsforschung, insbesondere der Thesen von Hurrelmann aufgeführt.
Abb. 1 Einflussfaktoren der Skriptentwicklung Eric Berne hat in seinem Buch „What do you say after you say Hello“ bereits viele dieser Einflussfaktoren benannt. In der weiteren Skripttheorie wurde der Fokus insbesondere auf die Betrachtung der Grundstrukturen der Persönlichkeit und der Einflüsse der primären Sozialisationsinstanzen (z.B. elterliche Botschaften und darauf beruhende kindliche Entscheidungen) gelegt, deren Bedeutung durch die moderne Bindungstheorie und Säuglingsforschung auch Bestätigung findet. Andere Aspekte, wie z.B. der Einfluss von eigenständigen Entwicklungsanforderungen des Erwachsenenalters, des Alterns, der Einfluss sekundärer und tertiärer Sozialisationsinstanzen und der Umweltbedingungen werden aktuell wenig theoretisch differenziert beleuchtet. Legt man die moderne Sozialisationsforschung zugrunde und betrachtet man die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen gewinnen diese Faktoren jedoch zunehmend an Relevanz für die Persönlichkeits- und Skriptentwicklung, und sind gerade für den Beratungsbereich und in der Arbeit mit Systemen von großer Bedeutung. So werden z.B. Familien als Vermittler und Erschließer der äußeren Realität angesehen. Ihr kommt eine Schlüsselfunktion zu, da sie primäre Sozialisationsinstanz in den ersten und besonders prägenden Lebensjahren eines Menschen sind. Neben der frühen Mutter-Vater-Kind Interaktion und deren Wechselseitigkeit haben auch soziale und gesellschaftliche Faktoren bzw. Veränderungen Einfluss auf das System Familie und sind somit von Relevanz bei der Skriptentwicklung . Solche Faktoren sind u.a.:
Ein weiterer Faktor bei der Skriptentwicklung, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die zunehmende Überlagerung von Sozialisationsimpulse der Familie durch andere Sozialisationsinstanzen, zum einem sekundärer Art, wie Kindergarten, Schule, Hort..., als auch tertiärer Art, wie zum Beispiel Gleichaltrigengruppe, Freizeitorganisationen. Deren Einfluss auf den Sozialisationsprozess und damit auch auf die Skriptbildung hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend erhöht. So sind u.a. Kinder im Tagesverlauf oftmals wechselnden Betreuungsformen ausgesetzt sind und die jeweiligen Sozialisationsimpulse und Erziehungsstilen stehen gegebenenfalls in Widerspruch oder Spannung zueinander. Insbesondere schulische Erfahrungen sind prägend für die Art wie Anforderungen der inneren und äußeren Realität verarbeitet wird. Nach Studien von Hurrelmann sind schulische Sozialisationsinstanzen in unserer Gesellschaft insbesondere geprägt durch die Orientierung an persönliche Leistung und Anpassung, dies sieht er als problematisch in Hinblick auf die Autonomieentwicklung des Einzelnen (z.B. wenn schulische Versagenserfahrungen nicht konstruktiv verarbeitet werden können Minderwertigkeitsgefühlen oder Einschränkungen der Selbstentfaltung die Folge sein) 3. Konsequenzen für die Skripttheorie Heute und für das Handeln transaktionsanalytischer BeraterInnen Ausgehend von Erkenntnissen aktueller Sozialisationsforschung ergeben sich für die Weiterentwicklung der Skripttheorie und das beraterische Handeln folgende Thesen und Konsequenzen:
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