Krisenintervention Uta Höhl – copy rightDas Wort Krise ist u.a. abgeleitet aus dem lateinischen crisis, ein Begriff, der sich vorwiegend auf Krankheiten bezog, und zwar auf die kritische Phase, in der es zu einer Zuspitzung im Krankheitsverlauf kommt und zwar auf eine Entscheidung auf Leben und Tod. P. D. Caplan definiert 1964 in Principles of preventive psychiatry : Krise als „Umkippen/Umschlagen des inneren Kräftegleichgewichts einer Person.“ Im Anwendungsfeld Beratung ist der Umgang mit Krisen ein wichtiger Teil der Arbeit – viele BeraterInnen haben Ängste im Umgang mit Klienten in Krisen und fühlen sich überfordert. Häufig ist der Blickwinkel eingeengt auf Krisen, die zu einer emotionalen Instabilität bis hin zur Handlungsunfähigkeit oder Suizidalität führen können, d.h. eine pathologische Betrachtungsweise steht im Vordergrund. Aus meiner Sicht erscheint es jedoch sinnvoll den Krisenbegriff weiter zu fassen und Krisen als einen Veränderungsprozess zu sehen, der eine Chance bietet Überkommenes abzustreifen, Neuentscheidungen zu treffen, als auch destruktive Entwicklungen nehmen kann. Dies betrifft sowohl Krisen von Individuenm als auch Krisen in Systemen. Im folgenden werde ich eine Defintiton von Krise und deren Hintergründe geben und sie unter dem TA- Konzept Bezugsrahmen beschreiben. 1. Krise und Bezugsrahmen Krise ist ein zeitlich begrenzter, belastender und in seinen Verlauf offener Veränderungsprozess eines Menschen, der sich auf einem kritischen Punkt hin zuspitzt und auf eine Entscheidung hin drängt. Dieser Prozess ist gekennzeichnet durch:
Menschen haben im sogenannten „Normalzustand“einen relativ stabilen Bezugsrahmen, der entsprechend der Definition von J.L. Schiff u.a. eine Orientierung bietet mit der Individuen zum einem sich, andere Menschen und die Welt definieren (i.S. einer Wirklichkeitskonstruktion), zum anderem verschiedenen Ich-Zustände bei der Antwort auf bestimmte Reize integrieren. Der Bezugsrahmen beinhaltet Anteile, die autonom, differenziert und flexibel sind, aber auch destruktive, skriptgebundene. Nach Schiffs kann man sich den Bezugsrahmen vorstellen wie einen Filter gegenüber der Realität. Bei einer Krise wird durch äußere oder innere belastende Ereignisse der bisherige Bezugsrahmen in einer Art und Weise in Frage gestellt, dass er nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Die gewohnten Organisation von Verhaltens-, Fühl-, Denkmuster steht dadurch nicht mehr zur Verfügung, was oft als Bedrohung der Person erlebt wird. Der betreffende Mensch versucht daraufhin wieder eine innere Stabilität zu erreichen und den Bezugsrahmen neu zu organisieren. Je nachdem wie der/die Betroffene mit der Krise umgeht, wie er/sie sie bewältigt, kann dies erfolgen, durch:
2. Hintergründe von Krisen 2.1. Krisen als Zuspitzung eines inneren Konflikts Nach Bauriedel ist eine Krise „Entscheidungssituation in der die Frage deutlich wird ob alles beim Alten bleiben soll oder sich etwas ändern darf.“ Unter TA-Gesichtspunkten sind Krisen oftmals innerhalb einer Beratung an dem Punkt wo es für den Klienten um eine spürbare Entscheidung geht destruktive Skriptinhalte -muster aufzugeben oder sie beizubehalten. Ein Beispiel hierfür ist ein Klient der in Kontakt kommt mit einer destruktiven Grundbotschaften und den damit zusammenhängenden Skriptentscheidungen aus der Kindheit. die lautet keine eigenen Bedürfnisse haben zu dürfen, um Zuwendung zu erhalten, und nun für ihn spürbar wird dass er gleichzeitg endlich seinen Bedürfnissen entsprechend leben will und Angst hat dadurch Beziehungen zu gefährden. 2.2. Krise als Reifungsgeschehen/notwendige Wendepunkte in der Entwicklung eines Menschen Verschiedene Entwicklungspsychologen wie z.B. Eric Erikson, aber auch die antroposophische Persönlichkeitstheorie beschreiben Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung von Menschen, wobei der Übergang von einer Entwicklungsphase in die nächste oftmals durch Krisen gekennzeichnet ist. Krisen werden hier gesehen als eine Aufforderung sich den anstehenden Entwicklungs -schritten und -themen zu stellen und sich weiterzuentwickeln. Unter diesen Gesichtspunkt sind Krisen in bestimmten Lebensphasen als etwas Normales und Positives zu sehen. In Verbindung mit den Konzepten der TA gehe ich davon aus, dass diese Lebensphasenkrisen genutzt werden können, um das eigene Lebensskript zu „überarbeiten“, destruktive Inhalte aufzulösen und Neues hinzuzunehmen. Destruktive Skriptinhalte, die nicht bearbeitet werden, können in dieser Zeit natürlich auch dazu führen dass ein harmatisches Skript vorangetrieben wird. 2.3. Krise als Antwort auf eine aktuelle als traumatisch oder bedrohlich erlebte Situation/Lebensveränderung Unabhängig von möglichen inneren Konflikten oder entwicklungsbedingten Krisen können auch äußere traumatische Ereignisse oder massive Veränderungen, wie z.B. Tod eines Partners, Arbeitslosigkeit, Umzug etc. zu einer massiven emotionalen Belastung und Bedrohung des bisherigen Bezugsrahmens führen, die bis zu einer Desintegration der Handlungsorganisation führen kann, jedoch nicht muss. 3. Phasen der Krisenintervention 3.1. Prophylaxe – Erkennen eines möglichen Gefährdungspotentiales
3.2. Interventionen in der Krise Äußerer Rahmen
TA-Interventionen Non-Verträge
Schutz des Klienten
Aktives Eingreifen aus einer positiv fürsorglichen (+fEL)bzw. positiv bestimmenden elterlichen Haltung (+kEL)
Stärkung des ER-Ich (Erwachsenen-Ich; Hier und Jetzt)
3.3. Vertrag nach Beendigung der Krise Nach der Krisenintervention ist es wesentlich mit dem Klienten zu entscheiden ob und wie eine weitere Beratung erfolgen soll.
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